Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
18. Jahrgang (2015) - Ausgabe 6 (Juni) - ISSN 1619-2389
 

Von erfolgreichen Krisenmanagern lernen

von Frank Roselieb und Marion Dreher (Hrsg.)

Fast jedes Unternehmen ist ein Unikat, und auch Krisen folgen meist ihren eigenen Gesetzen. Dennoch gibt es hier wie da gewisse Gemeinsamkeiten, die ein Lernen aus den durchlebten Krisenfällen anderer ermöglichen. Hier setzt der vorliegende Sammelband an.

21 Autoren von Energieversorgern und Banken, aus der Lebensmittelindustrie und Telekommunikationswirtschaft, von Tourismusunternehmen und Flughafenbetreibern sowie öffentlichen Einrichtungen stellen in 14 Fallstudien und Fachbeiträgen ihre ernstfallerprobten Krisenmanagementsysteme vor.

Das Spektrum der praxisnahen Einblicke reicht von der Risikoanalyse und Krisenkommunikation über das Notfall- und Issues Management, die Restrukturierungs- und Sanierungsbegleitung bis hin zur Krisen- und Katastrophenbewältigung. Abgerundet werden die Erfahrungsberichte der Krisenmanager durch Fachbeiträge aus der Wissenschaft. Das 276 Seiten starke Praxishandbuch gliedert sich in fünf Teile und umfasst 15 Kapitel.

Einführung

  • Obwohl die Krisentypen und Krisenverläufe über die Jahrzehnte recht konstant geblieben sind, unterlaufen Führungskräften bei der Krisenbewältigung immer wieder die gleichen Fehler. Die beiden Herausgeber, Frank Roselieb und Marion Dreher vom Krisennavigator - Institut für Krisenforschung in Kiel, verdeutlichen, welche Tücken in der Unternehmens- und Behördenpraxis lauern und warum selbst sehr erfahrene Krisenmanager nicht immer erfolgreich sind.

       

Frank Roselieb                Marion Dreher

Teil 1: Krisenkommunikation und Presserecht

  • Als im November 2005 zahlreiche Hoch- und Höchstspannungsmasten wegen außergewöhnlich hoher Schneelasten im Münsterland nachgaben, waren zeitweise mehrere hunderttausend Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Dr. Martina Rudy und Sebastian Ackermann von der RWE Energy AG in Dortmund lassen die Ereignisse jener Wochen nochmals Revue passieren und zeigen Lehren für die Krisenkommunikation auf.

       

  Dr. Martina Rudy            Sebastian Ackermann

  • Der Großbrand am Düsseldorfer Flughafen im April 1996 stellte eine Zäsur für die Betreibergesellschaft dar. Torsten Hiermann von der Flughafen Düsseldorf GmbH erläutert, wie sich die Betreibergesellschaft nach den Ereignissen komplett neu aufgestellt hat – von der Teilprivatisierung der Flughafengesellschaft über umfassende strukturelle Veränderungen bis hin zur konsequenten Neuausrichtung des Kommunikationsbereichs.



Torsten Hiermann

  • In Krisenzeiten überbieten sich Journalisten nicht selten mit "schnellen Medienberichten" über die Ereignisse. Mitunter mischen sich dabei Tatsachenbehauptungen mit bloßen Meinungsäußerungen. Welche rechtlichen und strategischen Fragen Unternehmen abwägen sollten, wenn sie sich gegen unerwünschte Berichterstattung zur Wehr setzen wollen, erläutert Rechtsanwältin Dr. Birgit Brömmekamp aus Köln am Beispiel eines "Focus"-Berichts über die WestLB.



Dr. Birgit Brömmekamp

Teil 2: Krisenmanagement und Katastrophenvorsorge

  • Nach der verheerenden Flutkatastrophe 2004 in Südostasien hat die TUI viel Lob für ihre professionelle Krisenbewältigung und kontinuierliche Krisenkommunikation erhalten. Prof. Dr. Axel Dreyer von der Hochschule Harz in Wernigerode und Klaus Rütt vom Krisenstab der TUI in Hannover gewähren einen Blick hinter die Kulissen des Ereignis- und Krisenmanagements bei Europas größtem Touristikunternehmen.

       

Prof. Dr. Axel Dreyer                Klaus Rütt       

  • Dass auch die küstenferne Schweiz nicht vor einem "Land unter" gefeit ist, musste die Region Luzern bei den Hochwasserfluten im August 2005 erfahren. Robert Schmid und Dr. Daniel von Arx von der Luzerner Kantonalbank (LUBK) schildern, wie die bankseitigen Folgen des Naturereignisses professionell bewältigt und insbesondere im lokalen Umfeld gut kommuniziert wurden.

       

   Robert Schmid                Dr. Daniel von Arx

  • Nach Artikel 35 des Grundgesetzes zählt die Hilfestellung bei der Bewältigung außergewöhnlicher Notlagen zu den originären Aufgaben des Staats. Dr. Dirk Freudenberg von der bundeseigenen Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr-Ahrweiler zeigt auf, wie staatliche Einrichtungen und Unternehmen sicherheitspolitische Krisen gemeinsam bewältigen können.



Dr. Dirk Freudenberg

Teil 3: Ereignis- und Issues Management

  • Als Reaktion auf die Verunsicherung der Verbraucher nach zahlreichen Krisen und Skandalen in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft haben Vertreter aller Stufen der Branche im Oktober 2001 die QS Qualität und Sicherheit GmbH gegründet. Katrin Spemann von der QS-Geschäftsstelle in Bonn stellt das stufenübergreifende Qualitätssicherungssystem sowie das begleitende QS-Ereignismanagement zur Bewältigung kritischer Situationen vor.

Katrin Spemann

  • Um potenziell heikle Themen innerhalb und außerhalb der eigenen Institution frühzeitig erkennen und sich systematisch darauf vorbereiten zu können, installieren immer mehr Unternehmen Systeme zum Issues Management. Prof. Dr. Ulrike Röttger von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Prof. Dr. Diana Ingenhoff von der Universität Fribourg (Schweiz) stellen die Systeme von Bertelsmann und SwissRe vor.

       

 Prof. Dr. Ulrike Röttger      Prof. Dr. Diana Ingenhoff 

Teil 4: Risikomanagement und Risikokommunikation

  • Globale Krisen – wie Terroranschläge oder Pandemien – machen auch vor international agierenden Unternehmen nicht halt. Zum angemessenen Umgang mit solchen Krisenlagen hat die Motorola GmbH das Motorola "P2R2"-Programm eingeführt. Was sich hinter der geheimnisvollen Formel verbirgt, erläutert Jürgen Kühn, Risiko- und Notfallmanager am Motorola-Standort Flensburg.

Jürgen Kühn

  • Bürgerinitiativen stellen vereinzelt die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Mobilfunks in Frage. Diese öffentliche Diskussion über die "Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt" (EMVU) hat Mobilfunkunternehmen vor neue kommunikative Herausforderungen gestellt. Cornelia Szyszkowitz von T-Mobile Deutschland in Darmstadt zeigt auf, wie das Unternehmen den Dialog mit Kritikern sucht und die Risikokommunikation organisiert.

Cornelia Szyszkowitz

  • Weil geschäftliche Aktivitäten stets mit Risiken verbunden sind, kann man Risiken nicht minimieren, sondern nur optimieren. Wer Risiken auf Null reduzieren möchte, müsste sich konsequenterweise aus dem Geschäftsleben zurückziehen. Wie die EnBW Energie Baden-Württemberg AG konzernweit mit Risiken umgeht und das Risikomanagement organisiert hat, schildern Dr. Werner Gleißner von der RMCE RiskCon GmbH in Leinfelden-Echterdingen und Dr. Rainer Pflaum von der EnBW in Karlsruhe.

       

   Dr. Werner Gleißner             Dr. Rainer Pflaum    

Teil 5: Restrukturierung und Sanierung

  • Nicht immer entwickeln sich neu integrierte Produktionsstandorte im gewünschten Sinne, und irgendwann geht auch die längste Wachstumsphase einmal zu Ende. Wie ein Gebrauchsgüterhersteller aus einer solchen Krisensituation heraus trotzdem den Turnaround erfolgreich geschafft hat und durch systematisches Sanierungsmanagement auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist, erläutert Volker Riedel von der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH Unternehmensberatung in München.

Volker Riedel

  • Dass der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nicht der Anfang vom Ende sein muss, sondern vielmehr der Startpunkt für einen hoffnungsvollen Neuanfang sein kann, hat eine mittelständische Großwäscherei in Ostdeutschland erfahren. Aus der Sanierung mittels "Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung" ging der Betrieb entschuldet und ertragswirtschaftlich sowie liquiditätsmäßig saniert hervor. Dr. Lutz Mackebrandt und Claudio Ciacci von der CMS Societät für Unternehmensberatung AG in Berlin schildern die Details.

       

    Dr. Lutz Mackebrandt              Claudio Ciacci         

  • Das Vermögen eines verschuldeten Unternehmens reicht nicht immer für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unter Eigenverwaltung aus. Dr. Silke Wehdeking vom Insolvenzbüro Kiel der Kanzlei Leonhardt Westhelle & Partner und Prof. Dr. Stefan Smid von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verdeutlichen, welche Hürden bei der Reorganisation zu überwinden sind, welche Untiefen drohen und wie Unternehmen ein Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung doch noch erreichen können.

Der Sammelband richtet sich insbesondere an Krisen-, Risiko- und  Kommunikationsverantwortliche, Notfallbeauftragte und Pressesprecher, Sanierungs- und Restrukturierungsexperten, Berater und Führungskräfte aus Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Verbänden. Sie können mit diesem Praxisbuch ihre eigenen Strategien zur Krisenprävention überprüfen und ihre Systeme zum Krisen- und Risikomanagement anhand der Erfahrungen von Branchenunternehmen optimieren.

Frank Roselieb / Marion Dreher (Hrsg.),
Krisenmanagement in der Praxis:
Von erfolgreichen Krisenmanagern lernen,
Erich Schmidt Verlag, Berlin,
2008, 276 Seiten, EUR 49,95
ISBN 978-3-503-10090-3

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
10. Jahrgang (2007), Ausgabe 9 (September)


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